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Evangelische Kirche

Evangelische Kirche Kreuth
Evangelische Kirche Kreuth


Evangelisch-Lutherische Emmauskirche in Kreuth
Ev.-Luth. Landeskirche in Bayern
Kirchenkreis München
Dekanat Bad Tölz
Kirchengemeinde Tegernsee
Land Bayern


Emmauskirche
Leonhardiweg 6
83708 Kreuth

Postanschrift:
Pfarrer Dr. Martin Weber
Hochfeldstraße 27
83684 Tegernsee

Tel.: 08022/4430
Fax: 08022/4123
www.tegernsee-evangelisch.de

 

Pfarrer Dr. Martin Weber

 

Geschichte der evangelischen Kirche in Kreuth

Kreuth hat erst seit 1956 eine evangelische Kirche, und das kam so: Die Einwohner Kreuths waren durchwegs Katholiken. Evangelische Badegäste von Wildbad Kreuth besuchten die ev.-luth. Kirche in Tegernsee, bzw. in den Sommermonaten auch den Gottesdienst in einem Betsaal in Wildbad Kreuth, der von Kurpredigern abgehalten wurde. Mit Kriegsbeginn im September 1939 hörte das schlagartig auf. Bad Kreuth wurde beschlagnahmt zur Unterbringung von Kindern, die aus den von Bomben bedrohten Gebieten durch die Kinderlandverschickung in vielen Lagern in Bayern untergebracht wurden. Dadurch und durch die Evakuierten kam ein Zustrom von evangelischen Christen, die hier inmitten des ganz katholischen Gebietes kirchlich erfasst werden mussten. Das geschah zum Teil durch die Entsendestellen von Rheinland, Westfalen, Hamburg usw., damit die Jugendlichen Religionsunterricht und Konfirmandenstunden erhalten konnten.

Im Jahr 1939 erwarb Fräulein Martha Roesicke aus Berlin das Haus Kirchberg 10 1/2 und bewohnte es mit Fräulein Marie Blaul. Sie führten ein "offenes, gastfreies Haus", das unendlich vielen Menschen, die im Dienst der Kirche standen, Erholung und eine christliche Gemeinschaft bot. Es kamen Gäste aus allen Teilen Deutschlands, bedeutende Männer wie Bischof Dibelius, Kirchenpräsident Niemöller, Oberkirchenrat Kloppenburg, Probst Asmussen und andere führende Mitglieder der Bekennenden Kirche, sowie Gemeindehelferinnen, Katechetinnen, Diakonissen usw. Allen ist das Kreuther Haus eine Oase gewesen in schweren Kriegsjahren, und mancher hat der kleinen Gemeinde mit Gottesdiensten, Bibelstunden, Vorträgen biblischer und künstlerischer Art gedient.

Mit diesem Hauskauf begann eigentlich die Geschichte der kleinen Gemeinde, denn es war selbstverständlich, dass der Einsatz dieses Hauses mit gleicher Intensität dem Aufbau des hiesigen Gemeindelebens galt. Im großen Wohnzimmer des Hauses wurden Gottesdienste gehalten von dem zuständigen Pfarrer D. Naumann aus Tegernsee, sowie von gerade anwesenden Gästen. Die kirchlichen Geräte waren nach Aufgabe des Betsaales in Bad Kreuth im Haus Roesicke untergebracht.

Wohl stellen die Evangelischen im südlichen Oberbayern noch immer eine Minderheit in der überwiegend katholisch geprägten Umgebung dar. Doch sie sind nicht nur gelitten, sondern es zeigen sich mehr und mehr Ansätze für eine gelingende ökumenische Zusammenarbeit. Damals vielleicht noch mehr als heute. Bereits im Jahr 1940 konnten die evangelischen Gottesdienste, mit Erlaubnis des kath. Pfarrers Kammerloher, in der katholischen Pfarrkirche stattfinden. Diese Erlaubnis wurde durch Anweisung der Diozöse an Pfarrer Engelmann, den Nachfolger von Pfarrer Kammerloher, zurückgenommen, so dass fast ein Jahr lang die Gottesdienste wieder im Haus Roesicke gehalten werden mussten. 1943 erwirkte Pfarrer Naumann durch einen Antrag an Kardinal Michael von Faulhaber eine erneute Erlaubnis zur Benutzung der katholischen Kirche. Obwohl es sich die katholischen Kreuther gar nicht so recht vorstellen können, hatte Pfarrer Engelmann immer ein offenes Ohr für die Belange der evangelischen Christen in Kreuth. Pfarrer Naumann setzte sich mit ganzer Kraft für das Gedeihen der Gemeinde ein und hat durch seine lebendige Wortverkündung und durch gut besuchte Bibelstunden das Gemeindeleben sehr gefördert. Noch heute denken die Gemeindemitglieder in großer Dankbarkeit seines Wirkens. Die Seelenzahl betrug damals 300 bis 400, ebenso später, als sich der Flüchtlingsstrom auch in das Kreuther Tal ergoss.

In den Jahren 1944 bis 1947 fand Pfarrer Naumann, der durch die immer zahlreicher werdenden Lazarette stark belastet war, Unterstützung durch den aus Luxemburg ausgewiesenen Pfarrer Fuhr, so dass Gottesdienste und Bibelstunden ganz regelmäßig in Kreuth gehalten werden konnten. Pfarrer Fuhr und seine Frau Jenny geb. Marwede, ist heute noch in gutem Angedenken bei der Gemeinde.

Fräulein Martha Roesicke war im Sommer 1953 aus gesundheitlichen und wirtschaftlichen Gründen gezwungen ihr Haus zu verkaufen, und mit Fräulein Blaul in ein kleines neugebautes Haus auf gleichem Grundstück zu ziehen. Damit war nun kein Raum mehr vorhanden für Veranstaltungen der evangelischen Gemeinde und für Gottesdienste im Winter. Das Tegernseer Pfarramt bewirkte auf Antrag, dass ein Schulraum für diese Zwecke zur Verfügung gestellt wurde, bis auch diese Möglichkeit durch eine neue Verordnung außer Kraft gesetzt wurde. So gewann das intensive Drängen nach einen eigenen Raum jetzt unmittelbare Bedeutung, wenn das durch 16 Jahre langsam gewachsenen Gemeindeleben in Kreuth nicht wieder ersterben sollte. Die Gemeinde zählt jetzt 200 ständige Mitglieder, nachdem sehr viele Flüchtlinge wieder abgewandert sind. Der Kirchenbesuch ist im Winter schwach, aber im Sommer steigt er durch die Gäste, die zur Erholung nach Kreuth kommen, von 40 auf 140 Besucher.

Wie dringend notwendig eine ev.-luth. Betreuung in Kreuth war, zeigen nach dem Krieg die vielen Beerdigungen der im Lazarett (Krankenanstalt Dr. May), an vor allem Knochentuberkulose, verstorbenen Soldaten lutherischen Glaubens. Alle Soldaten wurden im neugegründeten Gemeindefriedhof in Riedlern beigesetzt und später in den Soldatenfriedhof nach Gmund umgebettet.

 

Der Kirchenbau

Nachdem Rottach-Egern eine eigene evangelische Kirche bekam, wollten die Kreuther diesen nicht nachstehen. Eine entsprechende Eingabe an den Landeskirchenrat ergab zunächst nur eine Zurkenntnisnahme und ein Hinausschieben des Projektes, da derzeit sehr viele evangelische Gotteshäuser gebaut werden. Der Hinweis, dass 1/3 der Baukosten von der eigenen Gemeinde aufgebracht werden müssen, um 2/3 landeskirchlicher Baumittel zu erhalten, blieb die evangelische Gemeinde konsequent und beharrlich bei ihrem Vorhaben. Am 3.12.1954 wurde in einer Mitgliederversammlung der ev. Kirchenbauverein Kreuth gegründet. Zum Vorsitzenden wählte man Herrn Pfarrer Dr. Naumann und ab 1.1.1955 seinen Nachfolger Pfarrer Hell, und schließlich nach dessen Ausscheiden Herrn Dr. Richard May. Zur stellvertretenden Vorsitzenden wurde Fräulein Roesicke gewählt, zum Schriftführer Forstmeister Pausch, zum Kassenwart Dipl. Volkswirt Gotthardt, zum Beisitzer Polizeikommissar Belzner. Pfarrer Müller, Bad Wiessee, der seit Herbst 1952 zur Entlastung von Pfarrer Naumann den Predigtdienst in Kreuth übernommen hatte, stand der Gemeinde ebenfalls mit Rat und Tat zur Seite, und Pfarrer Hell bemühte sich mehrmals beim Landeskirchenamt um die Genehmigung des Gemeinderaumes und hat es schließlich erreicht, dass die Erlaubnis zum Beginn des Baues noch im laufenden Jahr 1955 gegeben wurde.

Es wurden nun monatliche Beiträge von den Kreuther Gemeindemitgliedern und auch von einigen Mitgliedern des Tegernseer Kirchenvorstandes gezeichnet, größere und kleinere bis zu kleinsten Spenden gingen ein. Wesentlich waren in dieser Sammlung die Teilnehmerinnen an den Freizeiten in den Jahren 1946 bis 1950 und die persönlichen Freunde und Gäste des Hauses Roesicke beteiligt. So ist jetzt eine Spendensumme von mehr als 12.000,- DM zu verzeichnen.

Die Entwürfe des Bauingenieurs Dendtel, deren Erarbeitung er als seinen Anteil am Bau des Hauses leistete und zwar als früheres lebendiges Mitglied der Kreuther Gemeinde, sind nun auch von der Baubehörde genehmigt. Fräulein Roesicke hat 600 qm Land ihres Grundstücks unentgeltlich zur Verfügung gestellt.

 

Die Kirche - Äußeres

Der Baustil ist ein moderner Sakralbau mit einem asymetrischen Giebel und kleinem offenem Glockenturm.

 

Das Innere

ist in drei Räume unterteilt und unterkellert.

 

Vorraum

Betritt man den Eingang auf der Ostseite, so kommt man in den Vorraum, in demselben befindet sich die Gedenktafel für Frau Martha Roesicke: "Dienet dem Herrn mit Freuden - PS 100/2. Zum Gedenken an Martha Roesicke * 6.2.1885 + 6.12.1958". Diese Gedenktafel zum Gedenken und zur Ehrung von Frau Roeicke ist Anerkennung und Verpflichtung zugleich, welche die ev. Gemeinde Kreuth dieser Frau schuldet. Denn sie hat den Kirchenbau durch Schenkung des Grundstücks erst ermöglicht. Wie uneigennützig, großzügig und auch spontan sie handelte, wenn es galt zu helfen, mag der wörtliche Auszug aus dem Protokollbuch einer Kirchenbauvereinssitzung vom Dezember 1954 wiedergeben: "Pfarrer Naumann gab bekannt, dass das Landratsamt (Kreisbaumeister) den zur Verfügung ge-stellten Bauplatz von 400 m² als zu klein und daher bebauungsunfähig erachtet habe. Aufgrund einer am 3.12.1954 nachmittags vorgenommenen Ortsbesichtigung mit den Vertretern des Landratsamtes und der Gemeinde Kreuth erklärte erstere, dass sie die Genehmigung nur erteilen könnten, wenn der Platz wenigstens 600 m² umfasse. Frau Roesicke erklärte sich daraufhin bereit, dem Kirchenbauverein den fehlenden 200 m² noch zu schenken. Die Platzfrage dürfte somit gesichert sein." Soweit das Protokollbuch.

 

Kirchenraum

Der Kirchenraum ist ein klarer, weiß gestrichener Gottesdienstraum mit einem einfachen Altar und einer kleinen Kanzel. Auf der linken Seite sind zwei sehr schöne schmiedeiserne Kerzenhalter in Kranzform mit Kreuz an der Wand, dazwischen hängt der Glockenstrick. Die Holzbänke wurden vom Großindustriellen Friedrich Flick gestiftet.

Auf der Orgelempore steht eine kleine Orgel die nicht mehr den feinsten Klangkörper hat; aber eine neue Orgel liegt wohl weit über den finanziellen Möglichkeiten der Kreuther Gemeindemitglieder.

 

Altar

Den Altar der Kirche schmückt seit 1990 eine originalgetreue Kopie des Fürstätter Altars aus dem Ort Fürstätt bei Rosenheim. Das Original ist in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts entstanden und befindet sich heute in den Sammlungen des Bayerischen Nationalmuseums in München. Die Kopie wurde vom Kunstmaler Souci Anfang des 20. Jahrhunderts originalgetreu hergestellt. Gestiftet wurde sie von Herrn Prof. Souci, einem Sohn des Malers.

 

Die Sakristei

 ist gleichzeitig auch ein kleiner Gemeinderaum. Wird der Gottesdienstraum zu klein, so kann man jederzeit schnell die Zwischenwand zur Sakristei entfernen und um diesen erweitern.

 

 Namensgebung

Bei der 35 Jahrfeier am 13./14. Juli 1991 erhielt die Kirche den Namen "Emmauskirche", und erinnert an den Ort Emmaus in der Nähe Jerusalems, an dem der auferstandene Jesu zweien seiner Jüngern begegnete. Nun hatten alle fünf evangelischen Kirchen rund um den See einen Namen: Die Christuskirche in Tegernsee, in Gmund die Erlöserkirche, die Friedenskirche in Bad Wiessee, die Auferstehungskirche in Rottach-Egern und in Kreuth die Emmauskirche.

 

Renovierung

Im Jahre 2006 wurde das Kleinod zum 50-jährigen Jubiläum neu renoviert. Die dazugehörige Gartenanlage wurde mit einem Labyrinth versehen und für die Öffentlichkeit zugängig gemacht.

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